VERHÜLLT
SKULPTUR
Werkbeschreibung „Verhüllt“ - Entstanden 2011
Verhüllt
Birnbaum geölt
Widerspruch, der uns stetig begegnet im Menschsein und im Sein als Mitmensch und Gegenüber.
Wieviel zeigen wir dem Anderen?
Die Person unter dem Tuch – denn eine solche ist es – ein Individuum und doch auch Stellvertreter- ist vorsichtig, misstrauisch. Was kann sie zeigen von dem, was vor sich geht? Wie viel unzensierte Authentizität ist waagbar? Wie viel kann dem Anderen zugemutet werden, wie sehr vertrauen, wie verletzlich darf das Individuum sich zeigen?
Angst, sich zu zeigen, die Angst vor Nichtachtung, Unverständnis, Ablehnung, Scham, Erniedrigung … – Angst macht unsichtbar. Diese Angst, die nicht nur die persönliche ist, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Narrativ, eine Norm, mit der Menschen sozialisiert werden: dem Gegenüber, Teil derselben Gesellschaft, wird auf dieser Ebene dessen Empathie und Wohlwollen in Frage gestellt.
Misstrauen – oder anders ausgedrückt – mangelndes Vertrauen, führt zu einem Andeuten unserer Person, ein Sich Zeigen und Nichtzeigen in einem. Die Konturen bleiben weich und schemenhaft.
Auf eine Weise einzigartig, und dennoch ohne Eigenheit.
Die Darstellung der Skulptur macht aber auch noch auf eine andere Lesart aufmerksam. Verhüllt ist nicht nur das Wesen dem Gegenüber. Es ist auch sich selbst ein/e Suchende/r, ein/e Unbekannte/r.
Wer sind wir? – Erkenne Dich selbst.
Einfach formuliert, aber doch so schwer in seiner Umsetzung.
Die Person unter dem Schleier, sucht sich selbst, die Klarheit in sich selbst. Fernab des Zweifels, sucht sie den Kern, die innere Einheit und „Ungespaltenheit“.
Diese Einheit, die aus der Reflektion ohne zernagenden Zweifel entstehen kann, aus der Impuls und Affekt einer inhärenten Haltung entspringt und nicht nur Reaktion aus Neid, Eifersucht, Gier, Kränkung, …- ist ein Sehnsuchtsort.
Die oben erwähnte Gewalt, die in der Verhüllung wahrzunehmen ist, findet ihre Ursache in der Unsicherheit der verborgenen Person. Diese Gewalt ist intrinsischer Natur.
So ist es auch schwierig, dem anderen sichtbar zu werden, weil das sich selbst Erkennen dem voransteht.
Und der Angst vor dieser Selbsterkenntnis.
Die Hinwendung an einen Mediator, dem man sichtbar wird,
in Angst und Unvollkommenheit, zeigt sich als Hoffnung, die in der sakralen Figürlichkeit des Werkes zu Tage tritt.