KOPFFÜSSER

SKULPTUREN
SKULPTUR AUS 2012 - WERKBESCHREIBUNG DES KÜNSTLERS
Ein Rad, Teil einer Transmission. Einst übertrug es, mittels Bändern, die Energie des Wassers an das Gatter eines Sägewerkes. Übertragung von Kraft und Geschwindigkeit. Nun, halbiert, dient es als Sockel, Fundament und Schwungrad, der auf ihm stehenden Skulptur, vielmehr der auf ihm stehenden Figur, denn das Halbrad ist inhaltlicher Bestandteil des Werkes. Die Figur, aus Lindenholz geschnitzt, wirkt markant, skurril, befremdend. Die Oberfläche behauen und doch teils strukturiert von den Spuren der Kettensäge und anderen Maschinen, wenn nicht gar belassen im ersten groben Schnitt. Licht und Schatten brechen sich an rauen Kanten. Die Figur erfährt Tiefe in diesen Kontrasten, zumal die Oberfläche noch gekalkt bzw. weiß gebeizt wurde. Eine sanfte Blässe, durch welche die Farbe des Holzes schimmert.

Ein muskulöses Bein, in Aktion, in Bewegung, verbunden über einen großen Fuß, dessen Zehen am Schwungrad verhaftet sind. Ein Rad, welches für eine ewig gleiche Bewegung steht, kreisend, ohne von der Stelle zu kommen, stetig wird Arbeit verrichtet.


Einzige Veränderung ist die Geschwindigkeit, Anzahl der Umdrehungen, der Takt der vorgegeben scheint. Der Takt ist nicht bestimmt durch die Figur, das Wesen. Es ist ausgeliefert.


Es obliegt dem Betrachter zu entscheiden, was den Takt vorgibt.
Weder Raum, Zeit noch Muse stehen dem Wesen für eigene Schritte fernab des Rades zur Verfügung.

Wir sehen die Figur als Kopf und Muskel, - der eine steuert den anderen.

FunktionIEREN? ist das beherrschende Moment, das dem Menschen Dimensionen des Seins vorenthält. Kein Leib, keine Mitte. Der Raum – in dem wir Herz und Seele ansiedeln – er fehlt.

Kein Atem, kein atmen, kein lebendig sein. Der maskuline Kopf: gezeichnet, erschöpft. Die Zunge ist zu sehen, im nach Sauerstoff und Erlösung gierenden geöffneten Mund. Die Augen unterschiedlich gearbeitet. Das rechte Auge wölbt sich dem Betrachter entgegen, förmlich aus der Augenhöhle gedrückt. Das Linke, gegensätzlich zum Gegenüber gestaltet, zeugt von einer traurigen Leere. Die großen Ohren, ein Zeugnis des Alterns, ein Zeugnis dafür, dass das Geschehen schon lange dies Leben definiert. Das fliehende Kinn, der lange gebogene Nasenrücken, das Profil, spiegeln die Bewegung des Rades wider. Die Gesichtszüge markant, der Schädel haarlos und nackt.
Uns blickt ein gehetztes Wesen entgegen.

Beraubt der Gefühlswelt, des Eigenständigen, der Seele, ist es nicht möglich, den eigenen Weg zu finden. Es gibt keine Entwicklung, nur Resignation. Diese Erkenntnis erfährt das Wesen, denn der Intellekt zur Reflektion ist vorhanden. Doch es mangelt an allem, was für Veränderung benötigt wird: Hoffnung, Glaube, Mut und Wille…. UND LIEBE?

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Ich frage mich, ob es ein Aussteigen gibt?

Gibt es eine Verlangsamung, gar ein Stillstand, der ein Heraustreten ermöglicht? Oder bleibt nur der Kollaps in Form restloser Erschöpfung, selbstzerstörerischem Ausstieg in voller Fahrt?
Die Frage, die die Figur in den Raum stellt:


• Findet sich noch eine Unversehrtheit, sollte ein Entkommen gelingen
• Sind Herz und Seele, unser Charakter, unsere Werte, Lebensfreude und Antrieb unseres Seins – sind diese wiederzufinden?

Dieses Werk zweifelt an der Rückkehr zum MenschSein. Wenn unsere Komplexität nicht beobachtet, gepflegt und beschützt wird. Es mangelt an Wertschätzung, weil als Selbstverständlichkeit betrachtet, keine Liebe vorhanden, hat die Leere Zugang und wird sich ausbreiten, bis nur noch Leere vorhanden ist. Selbst wenn wir erkennen, bereit sind, Wichtiges und Richtiges zu tun, kommt die Seele nicht zurück.

Aber was hat das Wesen zu verlieren? Vielleicht gibt es doch einen Rückweg, eine Heilung? Einen neuen Weg, der sich erst im Gehen zeigt? Sie sind nicht zu sehen im Werk des Künstlers, aber es gibt sie dennoch: Hoffnung, Glaube UND LIEBE.