DAS KIND HITLER
SKULPTUREN
Werkbeschreibung der Hitlerfigur - entstanden 2013
Das Kind Hitler
Gebranntes Tonelement, graphitüberzogen; Tracht
Hier steht diese Düsternis, betont durch die mit Graphit versiegelte Oberfläche, stellvertretend für zweierlei Gedanken:
Zum einen...
haben mich die fremdenfeindlichen Anschläge und Morde der letzten Jahre überzeugt, dass Faschismus kein Symptom des letzten Jahrhunderts ist. Vielmehr hat der Faschismus wieder Aktivisten und Handlanger durchdrungen, die kein Nischendasein führen wollen, sondern Anhänger und Gefolgsleute suchen und finden. Dabei steht die Figur in ihrer Kindlichkeit für diesen Prozess des Wachstums. Noch klein ein Kind, – noch ohnmächtig, aber im Entwicklungsstadium. Unsere Gesellschaft darf sich nicht sicher sein. Die Mörder und Brandstifter sind das eine. Aber zu viele Menschen werden in ihrer Unzufriedenheit von rechten faschistischen Tendenzen erreicht und verführt, ohne ihre Schritte zu reflektieren. Und so entsteht Masse, die hoffentlich nie zur Kritischen Masse anwächst, die dann Kipp-Punkte erreicht. Das spielende Kind, mit seinem Flugzeug, einem Sturzkampfbomber, mit dem der Blitzkrieg befördert wurde,- ein Mahnmal, ein Ausrufezeichen, die Aufforderung, wach zu bleiben.
Zum zweiten Gedankengang...
gilt dem spielenden Kind, das die Gesichtszüge Adolf Hitlers trägt, – die linke Hand an seine spätere Handhaltung erinnernd. Es zeigt die Unschuld im Spiel, – in der knieenden Haltung,- ein Vertrauen in den Schutz und die Geborgenheit der Familie. Die Tracht steht symbolisch für die Gesellschaft, die Sozialisierung. In dieser Tracht steckt aber auch die Härte Grobheit Grausamkeit Lieblosigkeit, in der das Kind Adolf Hitler hineingeboren wurde. Und es steht für den Gedanken, was hätte anders sein können. Welcher Mensch wäre erwachsen in einem Umfeld, welches mit Liebe, Geborgenheit Schutz und Achtung aufwarten kann? Er wäre sicher ein anderer geworden. Ob es das Böse gibt, und ob es schon als Grundanlage vorhanden war? Mag sein. Es ist ein menschlicher Begriff, der das Verhalten weit jenseits unserer Moralvorstellungen beschreibt.
Das Werk ist eine Aufforderung über Moral und Philosophie im Kontext der Pole GUT / BÖSE
nachzudenken. Es mag sein, dass die beschreibenden Adjektive gut/böse auch als Nomen in der Welt existent sind. So wie es Schwarz und Weiß gibt.
Die Anlagen in uns sind unterschiedlich, aber wie stark diese letztlich das Verhalten des Individuums beeinflussen, ist sicher vom Wirken der Faktoren Umwelt, Familie und Gesellschaft,
abhängig. Wir als Gesellschaft stehen in der Verantwortung für das MORGEN; – wir bestimmen das Umfeld, in dem Kinder zu Erwachsenen werden. So ist dies auch eine Aufforderung, neben der zur Wachheit, uns in Handlungsfelder zu begeben, die die guten Anlagen befördern.